Montag, 19. Oktober 2015

Der Himmel oder warum ich 273 Kilo wiegen werde, wenn ich zurück komme

Ich bin im Paradies gelandet.

Vollkommen — einfach vollkommen. Wie ein kleines Kind am Schaufenster eines Spielzeugladens starre ich gebannt durch die Fenster des rotbraunen Hauses am Place du Marché aux Choux. Dahinter verbirgt sich meine große Liebe. Rebert. Er ist hübsch und etwas ganz besonderes. 

Der französische Charme ist ja berüchtigt, aber dass es mich so schnell und so intensiv treffen würde, hätte ich nicht gedacht. Doch jeder Besuch im Centre Ville scheint mich irgendwie zu Rebert zu leiten. Bald muss ich mir eingestehen, dass es mich voll erwischt hat — le coup de foudre.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eine große Schwäche für fast alles Süße habe. Es ist also kein Wunder, dass ich so begeistert von Rebert bin. Die kleine Patisserie und Chocolaterie ist aber auch ein Besuch wert und so schleiche ich immer wieder um den Laden herum, gehe hinein, um die kleinen Törtchen, Macarons und Pralinen aus der Nähe zu bestaunen und kaufe dann doch nichts. Die Preise der Köstlichkeiten und Taschengeld eines FSJlers vertragen sich nicht so ganz.



So langsam habe ich den Eindruck, man müsste mich im Rebert schon kennen. Ach, das ist sie schon wieder. Valerie, hol schon mal das Fensterputzmittel! Sie drückt schon wieder ihre Nase am Schaufenster platt. Vielleicht gehe ich aber auch im Strom der Touristen unter, die Rebert mit ebenso begierigen Blicken wie ich betreten und mit kleinen und großen Köstlichkeiten und einem Leuchten in den Augen verlassen.



Ich bin zum fünften Mal im Laden, als ich zum ersten Mal die Stimme hebe. Je voudrais un Palet Or s’il vous plaît. Meine Eltern sind über das Wochenende da und ich darf mir etwas aussuchen. Meine Entscheidung fällt mir leicht. Zu oft habe ich mir schon ausgemalt, was ich am liebsten essen würde.



Palet Or ist eine wahre Schönheit — fast zu schön zum Essen, deshalb dekoriert meine Errungenschaft erstmal den WG-Kühlschrank. Sage und schreibe einen Tag bleibt das Törtchen da, dann möchte ich es endlich probieren. Nach einem Bissen merke ich, dass es auch zu lecker ist, um noch weiter im Kühlschrank zu verweilen.


Oh Rebert, denke ich, als der letzte Bissen im meinen Mund verschwindet.



PS: Ich habe „Chocolaterie“ zum Wörterbuch hinzugefügt — kann ja nicht sein, dass mein Word das nicht kennt!

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